Arbeiten und Leben in Auckland – Erfahrungsbericht

Wie ist es eigentlich in einem fremden Land ein Leben aufzubauen, einen Alltag zu gestalten und arbeiten zu gehen?

Ich habe ein Jahr in Auckland gelebt und gearbeitet und teile meine Erfahrungen im folgenden Artikel.

Das Work and Travel Visum macht es für den deutschen Staatsbürger (unter 30 Jahre) wirklich sehr einfach in Neuseeland zu arbeiten - dies ist 12 Monate, in Vollzeit möglich.

Anders als in Australien, hier ist es einem nur erlaubt für 3 Monate bei ein und demselben Arbeitgeber angestellt zu sein.

 

Wer also internationale Arbeitserfahrung sammeln möchte und sein Englisch verbessen will, sollte sich überleben dies im Land der Kiwis zu tun.

 

Mein Freund bekam durch seine Firma ein Jobangebot in Auckland und ich konnte mich entscheiden: Mitgehen und mein Glück versuchen, oder in Deutschland bleiben und hier meinen sicheren Arbeitsplatz behalten.

 

Die Vorstellung etwas vollkommen Neues zu probieren, in einem englischsprachigen Land zu arbeiten, in eine fremde Kultur einzutauchen und mir in einer völlig neuen Stadt einen Alltag aufzubauen, reizte mich sehr. Eine große Herausforderung die ich gerne annahm.

Natürlich hängen in Neuseeland die Jobs nicht am Baum und warten darauf gepflückt zu werden. Hinzu kam, dass ich nur eine begrenzte Zeit im Lande blieb, was für viele Arbeitgeber auch nicht sehr attraktiv ist, denn meist werden Angestellte für ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis gesucht. Aber das schreckte mich alles nicht ab, irgendeinen Weg würde ich wohl finden um meinen neuen Traum zu verwirklichen.

Und so packten wir unsere Koffer, verabschiedenden uns von Deutschland und traten unsere große Reise an! Eine Reise ins Ungewisse.

Ich sah das Ganze als große Spielwiese an. Wie weit werde ich kommen? Was steckt alles in mir? Spannender konnte es doch gar nicht werden!

Und dann landeten wir in Auckland, der größten Stadt Neuseelands. Eine milde Brise streifte meine Haut, als wir den Flughafen verließen. Ich atmete tief ein. Da ist es: mein neues Leben!

 

Wir hatten über airbnb.de ein WG Zimmer im Stadtzentrum gebucht, hier teilten wir uns eine kleine Wohnung mit 3 netten Kolumbianern.
Ich muss zugeben, die ersten Tage war ich nicht so begeistert von Auckland. Die Stadt gefiel mir überhaupt nicht. Und hier soll ich ein Jahr leben? Na danke!

 

Die ersten 2 Wochen akklimatisierten wir uns erst einmal und lernten die Gegend kennen. Der Jetlag steckte tief in den Knochen und die ganzen neuen Eindrücke mussten verarbeitet werden.

Langsam begann ich die hübschen Seiten der Stadt kennen und lieben zu lernen. Besonders gut gefielen mir die Hafengegend und Strände an der North Shore. „Doch, hier wird es mir die nächsten Monate gut gehen.“

Nach 3 Wochen startete mein Freund sein Arbeitsverhältnis und für mich ging die große Stellensuche los! Ich durchstöberte alle Anzeigen auf www.seek.co.nz, einem großen online Portal für Arbeitssuchende. Hier fand ich massig viele Stellenanzeigen im Assistenzbereich oder in der Büroorganisation. Genau das, was ich machen wollte.

Zudem waren die Anzeigen so nett und viel persönlicher gestaltet, als wie man es in Deutschland kennt, dass die Suche doppelt so viel Spaß machte.

 

Vormittags kümmerte ich mich um meine Bewerbungen und nachmittags spazierte ich entweder zu einem der vielen Strände, bummelte über die Queen Street oder genoss ein paar Sonnenstrahlen im benachbarten Park.

Die ersten Wochen passierte erst mal gar nichts. Das frustrierte mich. Mein Freund hatte einen geregelten Tagesablauf, währenddessen ich fest saß und nichts zu Stande brachte. So kam es mir jedenfalls vor. Doch das Warten lohnte sich und bald kam sie, die erste Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Vorstellungsgespräche in Neuseeland

Vor dem Gespräch bereitete ich mich intensiv auf alles vor. Genauso wie in Deutschland ist es ein absolutes Muss, sich über die jeweilige Firma zu informieren. Neuseeländer sind zwar im Allgemeinen ein entspanntes Völkchen, aber wenn es um Business geht, wird hier genauso viel Wert auf ein gutes Auftreten gelegt wie bei uns zu Hause.

 

Während dem Vorstellungsgespräch wurden mir sehr ähnliche Fragen wie auch in Deutschland gestellt. Da ich gut vorbereitet war, fühlte ich mich selbstbewusst und sicher und am Ende machte das Gespräch sogar wirklich großen Spaß. Wenn ich einen Tipp mitgeben kann, dann ist es: Locker bleiben und vorbereitet sein. Dann kann eigentlich gar nichts schief gehen.

2 Tage später hielt ich meinen Arbeitsvertrag in der Hand und konnte schon direkt loslegen.

Arbeiten in Neuseeland

Vor meinem ersten Arbeitstag war ich dann doch schon sehr aufgeregt. Werde ich alles verstehen? Sind die Kollegen nett? Aber alle meine Sorgen waren umsonst.

Mein Englisch wurde von Tag zu Tag besser.
Bei dem ersten Business Meeting, malte ich noch kleine Blümchen in mein Heft, damit es aussah als würde ich mir wichtige Notizen machen, während ich in Wahrheit nur jedes zweite Wort verstand. Business Englisch ist nämlich doch nochmal etwas ganz anderes, als das „Small Talk Englisch“ was man sonst anwendet.

Aus den Blümchen wurden aber bald echte Notizen, ich konnte in den Meetings immer mehr verstehen und mich langsam selbst mit einbringen. Ja, man lernt doch ziemlich schnell und am besten, wenn man sich selbst ins kalte Wasser schmeißt.

 

Nach nur wenigen Monaten wurde ich zur ersten Ansprechpartnerin des Teams. Ich war sogar verantwortlich dafür, neue Mitarbeiter anzulernen und war in der Lage das Büro alleine zu führen und zu organisieren. Was für ein unglaubliches Gefühl, auch für mein Selbstbewusstsein. Man muss nur an sich glauben, dann kann man sprichwörtlich Berge versetzen.

 

Das Arbeiten mit Kiwis hat mir immer großen Spaß bereitet. Die Stimmung war meistens super und wenn es mal etwas Negatives zu besprechen gab, wurde einmal Dampf abgelassen und gut war es. Kein ewig langes Nachtragen oder Schmollen – sehr angenehm.

 

Es machte niemanden etwas aus, dass ich einen deutschen Akzent hatte, oder ich manchmal ein paar Wörter verdrehte. Im Gegenteil, ich fühlte mich aufgenommen und wohl und wenn mir mal ein Fehler passierte, war das überhaupt kein Thema.

 

Außerdem schien es, als wäre jeder grundsätzlich freundlich. Während es in deutschen Bürogemeinschaften doch mindestens ein oder zwei Zicken gibt, hat sich hier niemand das Leben schwer gemacht. Man hat zusammen gelacht, ging respektvoll miteinander um und konnte sich somit auch viel besser auf die Arbeit konzentrieren. Also ganz nach meinem Geschmack.

 

Natürlich gibt es auch manchmal Ausnahmen und auch in Neuseeland erlebt man schwierige Kunden. Damit muss man eben umzugehen wissen und solange der Rest stimmt, ist es ja auch nur halb so schlimm.

Leben in Auckland

Freizeit

Das Leben in Auckland ist sehr entspannt und die meisten Aktivitäten finden draußen statt. Am Wochenende fährt man mit dem Kajak raus, geht picknicken oder im Meer schwimmen. Man trifft sich mit Freunden im Park, oder unternimmt kleinere Touren. Das Schöne an Auckland ist, dass die Stadt in mitten vieler Ausflugsziele liegt. Wenn man nur wenige Stunden in den Norden fährt, kommt man zur beliebten Bay of Islands, wo die Neuseeländer gerne ihre Ferien mit Segeln verbringen. Wenn man knappe 2 Stunden in den Osten fährt, kommt man zur traumhaften Coromandel Peninsula. Und wer gar nicht so weit weg will, kann auf der Insel Waiheke, die nur 18km entfernt im Hauraki Gulf liegt, wandern gehen.

Bild:Waiheke Island
Waiheke Insel

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Verkehr

Der Verkehr in Auckland ist eine Katastrophe! Während den Stoßzeiten geht hier gar nichts. Auch wenn man mit dem Bus fährt, der zum größten Teil eine eigene Fahrspur hat, kann man sich auf ein gnadenloses Stop and Go bereit machen. Nichts für schwache Nerven, die armen Busfahrer!

Menschen

Grundsätzlich sind Kiwis (Neuseeländer) unglaublich nett. Auf der Straße grüßt man sich, egal ob man sich kennt oder nicht.

Sie sind außerdem sehr gesellig. Am Wochenende grillen sie meistens in großen Gruppen im Park und haben eine gute Zeit. Es wird viel Wert auf Familie und Freundschaft gelegt.

Als Ausländer kommt man sich überhaupt nicht komisch oder anders vor, da Auckland generell sehr Multikuli ist. Es scheint so, als würde jeder Zweite aus einem anderen Land kommen und somit fällt man als Deutscher überhaupt nicht auf. Außerdem ist jeder nett zu einander, egal von wo du kommst, welche Religion oder Hautfarbe du hast.

Man kommt mit vielen Menschen ins Gespräch und hält einfach ständig Small Talk. Was von einigen Deutschen zuerst als lästig oder sogar oberflächlich abgestempelt wird, ist hier gelebte Normalität. Freundlichkeit beherrscht den Umgangston.

Klima

Auckland genießt das ganze Jahr über ein sehr mildes Klima. Selbst im Winter kann man bei einem Sonnentag im T-Shirt rum laufen. Schnee gibt es keinen, dafür viel Regen und Wind.

Die Sommer sind angenehm warm, aber niemals zu heiß. Dank der Regenzeit erblüht hier dann alles und die vielen Hügel bekommen ihr typisches, saftiges Grün.


Fazit

Mein Jahr in Auckland ging ruck zuck vorbei. Eine Erfahrung auf die ich sehr stolz bin.

Es ist wahnsinnig spannend sich in einem neuen Arbeitsumfeld zu entfalten und jeden Tag etwas Neues zu lernen.

Man stößt auf ungeahnte Fähigkeiten und merkt, dass in einem noch viel mehr steckt als man selbst glaubt.

Wenn du mit dem Gedanken spielst, internationale Arbeitserfahrung zu sammeln, kann ich dich nur dazu ermutigen.

Unglaubliche Ziele zu setzen und sie dann zu erreichen, ist ein wahnsinnig gutes Gefühl. Dank deiner erworbenen Englisch Kenntnisse und neuen Berufserfahrung wirst du deine Karrierechancen in Deutschland ankurbeln.

Deine Erfahrungen die du im Herzen trägst, werden dich dein Leben lang begleitet und bereichern.


Spielst du auch mit dem Gedanken ins Ausland zu gehen, um dort vielleicht fest zu arbeiten oder eine Zeit lang zu leben?

 

Oder warst du bereits schon im Ausland und hast dort ein ganz anderes Leben kennengelernt? Wie war das für dich? Und was für Erfahrungen hast du gemacht?

 

Lass es mich in den Kommentaren wissen und erzähl mir von Deiner Geschichte!

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Kommentare: 4
  • #1

    Sabrina (Sonntag, 19 April 2015 14:45)

    Sehr schön geschrieben :) früher oder später werde ich Neuseeland auch einen Besuch abstatten!

  • #2

    Tasty Travelworld (Sonntag, 19 April 2015 14:54)

    Hi Sabrina,
    Danke für Deinen Kommentar :)
    Oh ja, mach das! Du wirst es lieben :)
    Deine Desi

  • #3

    Malte (Donnerstag, 18 Juni 2015 10:58)

    Hört sich alles sehr gut an! Ich werd bald auch in Auckland meine Reise beginnen, daher ist es echt spitze schon vorab einige Informationen bezüglich des Lebens in Auckland zu bekommen. Mal sehen wie das so wird :)

  • #4

    Tasty Travelworld (Donnerstag, 18 Juni 2015 11:03)

    Hi Malte, ich freu mich das dir der Artikel gefallen hat :)
    Viel Spaß in Neuseeland.
    Deine Desi